Wald braucht Schutz. Als großer Waldeigentümer stehen die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten in der Pflicht, besondere Anstrengungen für den Erhalt und die gesunde Entwicklung des Waldes zu unternehmen. Beinahe ein Drittel des gesamten Waldes in Schleswig-Holstein befindet sich in unserer Obhut. Die damit verbundene Vorreiterrolle nehmen wir gerne an.

Lis Holling, Revierleiterin in der Försterei Glücksburg, beantwortet Ihre Fragen zur Zukunft des Waldes.

Warum ist Naturschutz im Wald so wichtig?

Der Wald ist eines von vielen faszinierenden Naturwundern auf unserer Erde. Er ist ein einzigartiges und wichtiges Ökosystem mit großem Einfluss auf Wasser, Boden, Luft und Klima. Unzählige Tier-, Pilz und Pflanzenarten brauchen und nutzen den Wald als Lebensraum. Dieser Artenreichtum und die genetische Vielfalt müssen geschützt und gefördert werden!

Der Erhalt dieser Lebensräume ist an verschiedene Bedingungen geknüpft. So kann ein Auwald nur bestehen, so lange das Wasser auch mal über die Ufer treten darf, ein Moorwald nur, wenn der Standort nicht entwässert wird, und eine alte, knorrige Buche mit ihren Höhlen nur, wenn sie im Wald stehen bleiben darf, bis sie von alleine umfällt. Nur wenn die verschiedenen Lebensräume erhalten oder wieder hergestellt werden, können auch die Arten, die von diesen unterschiedlichen Lebensräumen abhängig sind, weiter existieren.

Es ist unsere Aufgabe, diese Lebensräume zu erkennen und zu schützen oder durch gezielte Maßnahmen wiederherzustellen und zu fördern. Unseren Wäldern helfen wir zudem durch einen integrativen Naturschutz. Gleichzeitig versuchen wir, die Waldfläche in Schleswig-Holstein zu vermehren, da der Wald nicht nur für die Tiere und Pflanzen unersetzlich ist, sondern auch uns Menschen als wichtiger Baustoff- und Energielieferant, Erholungsort und Freizeitstätte dient.

Lis Holling

Was machen die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten für den Naturschutz im Wald?

Die SHLF verzichten auf Kahlschläge und verwenden in ihren Wäldern keine Pestizide und Dünger. Waldnaturschutz ist aber noch viel mehr und benötigt dafür keine besondere Gebietsbezeichnung! Nach den Prinzipien des ökologischen Waldbaus bevorzugen die Landesforsten beispielsweise einheimische Baumarten und streben in ihren Wäldern eine hohe Strukturvielfalt an. Die SHLF engagieren sich in der Biotoppflege und kümmern sich um die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts. Durch den dauerhaften Erhalt von Offenflächen und die Anlage von Kleingewässern fördern wir den Struktur- und Artenreichtum in unseren Wäldern. Und wir beteiligen uns in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und -verbänden an verschiedenen Artenschutz- und Vernetzungsprojekten, in denen wir über die Waldgrenzen hinaus denken. In den Schutzgebieten, wie dem europäischen Natura 2000-Netzwerk, Naturwäldern oder besonders geschützten Biotopen, haben wir ein besonderes Augenmerk auf die vorhandenen Seltenheiten. Lis Holling

Was verbirgt sich hinter dem Begriff »Integrativer Naturschutz«?

»Integrativer Naturschutz« bedeutet, dass der Naturschutz mit wirtschaftlicher Nutzung verbunden wird. Das heißt, die gesamte wirtschaftlich genutzte Waldfläche wird unter Berücksichtigung des Naturschutzes nach den Prinzipien naturnaher und nachhaltiger Forstwirtschaft bewirtschaftet.

Während wir auf einer Fläche Pflegemaßnahmen durchführen und Holz nutzen, markieren wir zum Beispiel auf derselben Fläche Habitatbäume. Oder wir schützen natürliche Bachläufe und Bruchwälder, indem wir dort nicht hineinfahren oder diese Areale gänzlich aus der Nutzung herausnehmen. Wir sichern Höhlenbäume, integrieren Fledermauskästen und erhalten historische Bewirtschaftungsformen wie den Hutewald oder das Eichenkratt, um die dort lebenden Pflanzen- und Tierarten zu schützen.

Weitere Ziele sind der Erhalt großer zusammenhängender Waldgebiete und der besondere Schutz alter Waldstandorte sowie eine mögliche Vermehrung der Waldflächen mit traditionellen, naturschutzfachlich bedeutsamen Nutzungsformen.

Lis Holling

Was wird in den Revieren für den Naturschutz getan?

In den Revieren beschäftigen wir uns täglich mit den Wäldern, für die wir zuständig sind. Wir kennen jede Ecke und achten darauf, dass besondere Lebensräume und Arten nicht gestört werden. Wir erwirken zum Beispiel ein Betretungsverbot für sensible Bereiche, zeichnen Höhlenbäume als Habitatbäume aus, die in der Folge nicht mehr genutzt werden, oder befahren einen bestimmten Bereich nicht mit Maschinen.

Gleichzeitig setzen wir uns aktiv für die Wiederherstellung von Lebensräumen ein und schaffen somit die Voraussetzungen für die Rückkehr besonderer Arten. Wenn wir in unseren Wäldern zum Beispiel ein trockengelegtes Moor finden, können wir die Entwässerungsgräben wieder schließen, oder wir drängen in einem alten Eichen-Hutewald die konkurrenzstärkeren Baumarten zurück, damit lichtliebende Arten sich wieder ansiedeln können.

Unsere Wälder bewirtschaften wir naturnah und integrieren auf diese Weise ökonomische Ziele mit den ökologischen Zielen auf einer Fläche. Dazu entscheiden wir uns auf jeder Fläche für die dort ökologisch verträgliche Forsttechnik und legen dauerhafte Gassen fest, außerhalb derer keine Maschine fahren darf. So schützen wir den Waldboden.

Bei größeren Biotop- und Artenschutzprojekten für Seeadler, Rotbauchunken oder Fledermäuse arbeiten wir mit Naturschutzverbänden, Behörden und Stiftungen zusammen.

Lis Holling

Wieso legen die Landesforsten so viel Wert auf Artenvielfalt?

Artenvielfalt fällt unter den Begriff der Biodiversität (Biologischen Vielfalt). Unter Biodiversität versteht man nicht nur die Menge der verschiedenen Arten, sondern auch die genetische Vielfalt innerhalb der verschiedenen Arten und deren zahlreiche Funktionen und Wechselwirkungen untereinander.

Die verschiedenen Arten, ob nun Pflanze, Tier oder Mikroorganismus, haben einen gegenseitigen Nutzen und sind zum Teil voneinander abhängig. Daraus ergeben sich verzweigte und hochkomplexe Ökosysteme, das bedeutet: Wenn eine Art ausfällt, hat dies Auswirkungen auf das gesamte Gefüge.

Häufig ist es nicht möglich, die Bedeutung bestimmter Arten genau einzuschätzen. Ein möglichst nachhaltiger und umfassender Schutz der gesamten Artenvielfalt ist daher wichtig für eine intakte und lebenswerte Umwelt und zugleich eine Verpflichtung gegenüber unseren eigenen nachfolgenden Generationen.

Lis Holling

Müsst ihr wirklich die dicken, alten Bäume fällen?

Die Bäume sind so alt und dick geworden, weil mehrere Förstergenerationen sie über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinweg gepflegt haben, damit wir heute hochwertiges Holz erhalten. Ziel der Landesforsten ist es, immer Bäume aller Altersgruppen auf der Waldfläche zu haben. Man spricht hier von »Dauerwald«. Wachstum, Zerfall und auch Holzernte greifen ineinander. Lis Holling

Kontrolliert eigentlich jemand die Landesforsten?

Innerhalb des Unternehmens achten verschiedene Kontrollorgane wie zum Beispiel die interne Betriebskontrolle darauf, was im Wald geschieht. Alle Maßnahmen, die in den einzelnen Förstereien vor Ort umgesetzt werden, stehen in einem Plan, der mit vielen Beteiligten abgestimmt ist. Darin enthalten sind zum Beispiel Holzerntemengen, Arbeitsverfahren oder Arbeitsschutzmaßnahmen. Als FSC® (C010535)- und PEFC-zertifizierter Betrieb bewirtschaften die Landesforsten die ihnen anvertrauten Wälder nachhaltig und naturnah nach strengen ökologischen und sozialen Maßstäben. Die Umsetzung der Richtlinien wird in unabhängigen Audits jährlich kontrolliert. Lis Holling

Besitzen die SHLF auch Naturwälder?

In der »Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesrepublik Deutschland« wird bis 2020 eine natürliche Waldentwicklung auf zehn Prozent der Flächen in öffentlichen Wäldern angestrebt. In diesen Gebieten findet keine wirtschaftliche Nutzung statt, es entstehen »Urwälder aus zweiter Hand«! Diese 10-Prozent-Kulisse haben die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten in ihren Wäldern bereits erreicht. Zusätzlich weisen Förster pro Hektar Wald zehn Habitatbäume aus, ein Spitzenwert im Vergleich zu anderen Bundesländern. Sie werden mit einem weißen Dreieck markiert und verbleiben bis zu ihrem natürlichen Zerfall im Bestand. Auf diese Weise bieten sie Lebensräume für zahlreiche Organismen. Lis Holling

Was versteht man eigentlich unter den »Leistungen des Waldes«?

Zu den Leistungen des Waldes zählt zum Beispiel die Funktion als Rückzugsort für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Der Wald leistet außerdem einen wichtigen Beitrag zum Boden-, Lärm-, Klima- und Wasserschutz und versorgt uns mit Holz und Wildfleisch. Er ist Erholungsgebiet, Rohstofflager, Spielgelände und Arbeitsplatz in einem. Lis Holling

Warum setzt ihr nicht mehr Pferde bei der Waldarbeit ein?

Pferde können nur dann eingesetzt werden, wenn das Holz nicht zu dick und nicht zu schwer ist, die Entfernungen nicht zu groß und die höheren Kosten vertretbar sind. Dies ist zum Beispiel in naturschutzfachlich sensiblen, feuchten Waldbereichen der Fall. Dort ziehen die Pferde die gefällten Bäume aus dem Wald an die Rückegasse. Von hier aus bringt eine Rückemaschine das Holz an den Weg, wo es dann ein LKW abholen kann. Lis Holling

Wie lautet Ihre Frage? Was können wir aus Ihrer Sicht besser machen? Worin sind wir, andererseits, besonders gut? Sprechen Sie mit uns über die Zukunft des Waldes. Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen! Nutzen Sie einfach unser Kontaktformular oder senden Sie uns eine Mail: meine.meinung@wald-dialog.de.

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